30 Jahre Förderverein Hilfen für Wohnungslose e.V. in Bensheim

Fast auf den Tag genau zur Mitgliederversammlung am 15.Juni 2026 wurde der Verein vor 30 Jahren gegründet (17.Juni 1996).Die Gründer, allen voran Gottfried Rupp, erkannten die Notwendigkeit, eine Übernachtungsmöglichkeit und Hilfen zur Wiedereingliederung zu schaffen. Sehr hilfreich war die Initiative und die Unterstützung der damaligen Stadtverordnetenversammlung. Die Bereitschaft zu Helfen war schon vor 30 Jahren groß. Ein weitaus wichtigerer Termin, vor allem für die Klienten des Zentrums, war , dass im Sommer 2025 gefeiert werden konnte, dass das Haus seit 25 Jahren für Übernachtungen genutzt werden konnte. Das wurde im vergangenen Jahr im Zentrum mit geladenen Gästen und aktuellen Bewohnerinnen und Bewohnern gefeiert. Die Vorsitzende Elke Ditter freut sich, dass diese 30 Jahre auch eine Erfolgsgeschichte waren. Schön wäre es, wenn diese Hilfen nicht mehr gebraucht würden. Es sei aber eher absehbar, dass die Zahl der Menschen, die hilfebedürftig sind, steigt.

Vier der Gründungsmitglieder gehörten bisher dem Vorstand ununterbrochen an, Monika Toebe und Beate Voltz haben sich jetzt aus Altersgründen nicht mehr zur Wiederwahl gestellt, Josef Kraus und Elke Ditter stellen sich wieder vor Wahl. Monika Toebe war trotz starkem politischen Engagement immer zu allen Hilfen bereit, sie hat nie die Kälte der Infostände im November gescheut und war immer eine große Unterstützung mit breitem Sachwissen. Beate Voltz begann als Beisitzerin, hatte von 2004 bis 2022 das Amt der Schatzmeisterin inne. Sie unterstützte zuerst Gottfried Rupp in seiner Tätigkeit, danach Elke Ditter und war immer zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht wurde. Sie führte bis 2022 die Mitgliederverwaltung, stellte Spendenquittungen aus und verschickte Dankesbriefe. Beiden Frauen gilt der Dank und die Anerkennung des Vorstandes.

In ihrem Tätigkeitsbericht sprach Elke Ditter über die verschiedenen Aktivitäten. Neben Unterstützungen bei für uns kleineren Dingen (Brillen, Kleidung, Schuhe, Fahrtkosten etc.) ging es auch um gemeinsame Aktivitäten, die gefördert werden.

Besonders hervorzuheben ist auch das Projekt Landpflege. Hier werden mit Unterstützung eines Mitarbeiters der Diakonie Aufträge der Kommune erledigt, die im gärtnerischen Bereich notwendig sind, wie Rasenmähen, Laub entsorgen und andere Dinge, die von Gärtnereibetrieben nicht übernommen werden. Das schafft Struktur im Tagesablauf und gewöhnt wieder an Beschäftigung. Aktuell wird ein neues Fahrzeug benötigt, der Kauf wird u.a. vom Förderverein unterstützt.

Die Weihnachtsfeier wird inzwischen für über 180 Personen ausgerichtet. Essen und Getränke werden am Tisch serviert, davor, dabei und danach gibt es Musik, Geschichten, besinnliche Minuten beim Gedenken an die Toten des letzten Jahres, Kaffee und Kuchen und die Geschenkeverteilung. Hier geht der Dank wie jedes Jahr an Harry Hegenbarth und das Team Showmaker, die durch die Geschenkeversteigerung, inzwischen eine Kultveranstaltung, das Essen für die Weihnachtsfeier erwirtschaften. Die gute Nachricht ist, dass Harry Hegenbarth und Adriana Filipone zugesagt haben, diese Veranstaltung auch in den nächsten Jahren fortzuführen.

Für das Projekt Doc30 ( ein Haus für junge Wohnungslose), über das schon mehrfach berichtet wurde, wird immer noch ein Haus gesucht. Verschiedene Objekte wurden besichtigt, kamen aber aufgrund der geringen Größe oder der zu leistenden Umbauarbeiten nicht in Frage. Es wird weitergesucht.

Das „Glashäuschen“ am Bahnhof war ein aktuelles Thema. Hier wird aktuell gemeinsam mit dem 1. Stadtrat und der Diakonie versucht, einen neuer Standort zu finden, in dem sich unsere Klienten ohne Verdrängung von anderen Gruppen aufhalten können. Die Dringlichkeit ist allen bewusst, da die Situation z.Z. nicht befriedigend ist.

Elke Ditter sprach auch über die gestiegene Zahl an Straftaten gegenüber obdachlosen Menschen, eine Steigung von 2024 auf 2025 um 17 % (2.563 Straftaten). Es ist klar, dass die Dunkelziffer deutlich höher sein wird, da viele Betroffene aus den unterschiedlichsten Gründen keine Anzeige erstatten. Zeugen werden dringend gebeten, Fälle, die sie erleben, sofort der Polizei zu melden (selbst eingreifen sollte man aber nicht).

Nicht nur die Kälte und Nässe ist für wohnungslose Menschen eine Herausforderung, auch die heißen Tage im Sommer sind nicht einfach. Der Förderverein bittet darum, wohnungslose Menschen im Sommer mit Getränken zu unterstützen.

Rolf Müggenburg berichtete über die finanzielle Situation des Vereins. Ein größerer Betrag aus einer Erbschaft ist separat gebucht, um für den Umbau bzw. die Einrichtung eines neuen Hauses zur Verfügung zu stehen. Aus der Aktion „8 € für ein warmes Essen“ kann seit 2023 für ca. 30 – 35 Menschen einmal in der Woche eine warme Mahlzeit zur Verfügung gestellt werden. Diese Spenden werden ebenfalls getrennt geführt und durch viele monatliche Zahlungen weiter gestützt. Rolf Müggenburg hofft, dass bis 2028 dieses Projekt gesichert ist. Aus den Beiträgen und Spenden können wie in den letzten Jahren die notwendigen Unterstützungszahlungen beleistet werden. So konnten z.B. in 2025 12 Personen in eine Mietwohnung oder Wohngemeinschaft ziehen, das wird mit einmalig 400€ unterstützt. Der Kassenprüfer Volker Tanner bestätigte eine lückenlose, nachvollziehbare und organisatorisch hervorragende Kassenführung und beantragten die Entlastung des Schatzmeisters und des kompletten Vorstandes, dem durch die Mitgliederversammlung entsprochen wurde.

Julia Buß ist seit Beginn des Jahres Leiterin des Zentrums am Weidenring. Sie kennt das Zentrum aus den letzten Jahren bereits gut und konnte u.a. mit Zahlen auf Probleme hinweisen. Das Durchschnittsalter liegt inzwischen bei 42 Jahren. Auch die Zahl der älteren Nutzerinnen und Nutzer ist gestiegen. Das ist möglich durch eine bessere medizinische Versorgung als vor Jahren, schafft aber auch Probleme, da Menschen über 60 zum Beispiel nicht für die Tätigkeit Landpflege zur Verfügung stehen. Auch bei den täglichen Arbeiten im Zentrum (Küche und Flur putzen, Müll entsorgen etc). wird es schwerer. Aus Erfahrung kann man allerdings sagen, dass es sich hier oft um Moment-aufnahmen handelt. Der Anteil der wohnungslosen Frauen steigt ebenso wie die Gesamtzahlen. Die 14 Plätze der Wiedereingliederungsmaßnahmen sind belegt, es mangelt an Möglichkeit, danach eine Mietwohnung zu finden, die bezahlbar ist und an das Klientel vergeben wird. Die Diakonie ist sehr stark mit Wohnungssicherungshilfen beschäftigt, um den Druck, auf der Straße leben zu müssen, zu verringern.

Die anschließende Wahl im zweijährigen Turnus bestätigte den bisherigen Vorstand mit Elke Ditter als Vorsitzende, Isabell Ehrhardt als stellvertretende Vorsitzende, Rolf Müggenburg als Schatzmeister, Alexander Spielmann als Schriftführer. Als Beisitzerinnen und Beisitzer wurden wiedergewählt Ruth Ameis, Josef Kraus und Brigitte Schmidt. Neu gewählt wurde Andreas Lützkendorf, der in den letzten Monate bereits Gast bei den Vorstandssitzungen war.

Der Dank des Fördervereins geht an alle Unterstützerinnen und Unterstützer für Geld- und Sachspenden, für die Bereitschaft zum Zuhören und Verständnis zu haben und für die Hilfe bei den verschiedensten Anlässen.